Schwedens König besucht Glashütte in Kosta am Nationalfeiertag

Schwedens König Carl XVI Gustaf wird am diesjährigen Nationalfeiertag Schwedens mit Gattin am 06.06.2017 die altehrwürdige Glashütte in KOSTA besuchen. Anlass ist das 275 jährige Bestehen der Glashütte deren Gründung einst einer der Vorgänger von Carl XVI Gustaf anregte.  Dieser schuf vor nun schon weit mehr als 275 Jahren die politischen Rahmenbedingungen, dass schon Mitte des 17.Jahrhundert im unweit des heutigen KOSTA gelegenen TRESTENSHULT der erste Glasofen der Neuzeit in Schweden angeblasen werden konnte.

Wenig später waren es dann im Jahre 1742 die Herren Anders Koskull (1677 – 1746) und Georg Bogislaus Staël von Holstein (1685 – 1763) die exakt auf halber Strecke zwischen KALMAR im Osten und VÄXJÖ (alte Schreibweise Wexiö) eine weitere Glashütte gründeten und diesen Flecken in Anlehnung an ihre Namen KOSTA nannten.

Die ersten Glasbläser, die dann in KOSTA ihre Arbeit aufnahmen kamen aus dem deutschen Thüringen wie alte Quellen berichten. Sie brachten die Glasbläserkunst nach KOSTA. Dabei spielte LAUSCHA eine sehr große Rolle. In der 1366 gegründeten Ortschaft waren es ab 1597 Menschen wie bspw. Hans Greiner und Christoph Müller, die die Tradition des noch heute in LAUSCHA ansässigen Glasmacherhandwerk begründeten.

Eine wichtige Rolle spielte von Beginn an auch die Familie Scheutz, der Name auch als Schütts, Schüttz, Schütz und Schytt in den Archiven zu finden ist. Die alternative Nutzung des Buchstaben Ypsilon erklärt sich daraus, dass im Schwedischen das Y wie ein Ü gesprochen und verwendet wird.

In den Jahrhunderten danach war es dann nicht nur in KOSTA sondern auch den sich nach und nach in umliegenden Orten gründenden Glaswerken so, dass deutsche Einwanderer bis weit in das 20.Jahrhundert hinein maßgeblich die Entwicklung der dann schwedischen Glasreich genannten Geografie prägten.

Dies erfolgte ab Anfang der 1970er Jahre oft auch der Gestalt, dass weite Teile der Produktion schwedischer Glashütten in die in der DDR liegenden Glaswerke im Thüringer Wald und der Lausitz ausgelagert wurde. Was die Initiatoren dieser frühen Form des Outsourcing dabei nie bedachten war, dass sie sich damit selbst das Wasser abgruben. Denn ab 01.07.1990 mussten diese dann ihre Einkäufe in der noch DDR in Deutschen Mark bezahlen. Dies führte zu einer extremen Verfielfachung des Einkaufspreises was sich konkret so darstellt:

  • Zwischen Deutscher Mark und Mark der DDR wurde im Regelfall mit einem Wechselkurs um 1:4 gerechnet, was sehr wahrscheinlich auch der Realität entsprochen haben dürfte.
  • Eine DM entsprach Anfang der 190er über den Daumen 4,50 schwedischen Kronen.
  • Wenn wir nun annehmen, dass ein beliebiges Stück Glas Made in GDR die schwedische Glashütte eine Mark der DDR im Einkauf kostete, dann entsprach dies damals 0,25 DM und damit 1,125 SEK!
  • Da nun aber zum 01.07.1990 auch die Preise in der DDR 1:1 umgestellt wurden, kostete plötzlich das gleiche Stück Glas 4,50 SEK, da ja nun eine DM anstelle der Mark der DDR fällig wurde.

Dies ergibt binnen weniger Sekunden eine Steigerung um 400% und genau das wurde zu einem ernsthaften Problem!!! Parallel dazu geriet die Glashütte Kosta wie die in BODA, ORREFORS und ÅFORS in die Hände von Spekulanten, die in dieser Zeit die Orrefors Kosta Boda AB gründeten, die 2005 von der New Wave Group AB übernommen wurde.

Unmittelbar nach Übernahme durch die New Wave Group realisierte die Orrefors Kosta Boda AB einen Kahlschlag vom feinsten gegen den die Politik der Treuhandanstalt in den neuen Bundesländern ein laues Lüftchen war. Von 1998 noch 16 Glaswerken an 15 Standorten im schwedischen Glasreich blieb nicht mehr so sehr viel übrig. In BODA, ORREFORS, ÅFORS und anderen Ortes gingen nach und nach die Lichter bzw. Glasöfen aus. Einzig in KOSTA bewahrte die Orrefors Kosta Boda AB eine Art symbolische Produktion mit wenigen Angestellten.

Mit diesem historischen Hintergrund bleibt zu hoffen, dass die Würdigung des 275 jährigen Bestehens des Kosta Glasbruk durch Schwedens König am bevorstehenden Nationalfeiertag auch endlich ein Umdenken in Sachen Glasmacherei auslöst. Das schwedische Königshaus leistete in den letzten Jahren immer seinen Beitrag, um die Jahrhunderte alte Tradition der Glasmacherei im schwedischen Glasreich zu erhalten. So bspw. aus Anlass der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria am 19.06.2010 wo nicht nur ein Stück Glas aus Anlass besagter Hochzeit im Glasreich gefertigt wurde.

Die hohe schwedische Politik übt sich aber in Sachen Glas seit Jahrzehnten nun schon Partei übergreifend in vornehmer Zurückhaltung. Außer Lippenbekenntnissen kam in den letzten Jahren nicht so sehr viel aus STOCKHOLM. Lediglich einige Einzelkämpfer vor Ort auf der Trennungslinie zwischen zwei Landkreisen halten so wie ihnen möglich die Fahne der Glasmacherei hoch.