Unklare Situation bezüglich Verwendung der Marke Orrefors

Das schwedische Fernsehen berichtete gestern unter https://www.svtplay.se/klipp/13681608/nu-ska-det-blasas-glas-i-orrefors-igen?start=auto über den Neustart der Glasproduktion in ORREFORS. Im Zuge dessen zögerten die Reporter nicht, eine sehr brisante Frage zu stellen. Nämlich die berühmte Gretchenfrage in Form der Frage, wie es eigentlich mit den Markenrechten bezüglich der Marke ORREFORS denn so aussehe.

Dies ist momentan etwas verzwickt und stellt sich ganz konkret so dar:

Bis in die 1990er Jahre hinein war es bezüglich der Marke ORREFORS ganz einfach. Es gab den 1898 gegründeten Orrefors Glasbruk und dieser hatte natürlich die Markenrechte inne. Basierend auf der Arbeit von Simon Gate und seiner vielen Mitstreiter wurde Mitte des 20.Jahrhunderts die Marke ORREFORS Welt bekannt. Ein Meilenstein war die Weltausstellung 1939 in NEW YORK wo neben dem Dalapferd verschieden gestaltetes Glas aus ORREFORS die Menschen in ihren Bann zog. Diese Erfolgsgeschichte setzte sich dann in den 1950er bis Anfang der 1990er Jahren fort.

Neben dem Orrefors Glasbruk war es bspw. Anfang der 1990er Jahre ein Team um den Künstler Jens P. Leek, welches diese Tradition der Form fortsetzte, dass dieses Team das gesamte Kristall des russischen Präsidenten gravierte. Verständlicherweise wollte damals weder Boris Jelzin noch seine Gäste aus Gläsern trinken, auf den noch das Wappen der UdSSR prangte. Der Künstler Jens P. Leek betreibt seit vielen vielen Jahren nun schon sehr erfolgreich seine eigene Graveurwerkstatt in ORREFORS. Auf Youtube können Sie ihm über die Schulter schauen.

Im Jahr 2005 übernahm dann die New Wave Group den Orrefors Glasbruk, der zu dieser Zeit schon einige Jahre zur Orrefors Kosta Boda AB gehörte. Unmittelbar danach setzte ein von der New Wave Group AB getriebener Kahlschlag ein, gegen den das Agieren der Treuhandanstalt in den neuen deutschen Bundesländern ab Anfang der 1990er Jahre ein laues Lüftchen war. Die New Wave Group AB schloss reihenweise die zur Orrefors Kosta Boda AB gehörenden Glaswerke in der Region. Nachdem 2011 im Orrefors Glasbruk die Schleiferei geschlossen wurde, kam im Sommer 2013 für den altehrwürdigen Orrefors Glasbruk das endgültige AUS.

Übrig blieb die Werkstatt des Künstlers Jens P. Leek, die nach wie vor Inhaber geführt eigenständig ist und den Irrungen und Wirrungen in und um ORREFORS sehr erfolgreich trotzt. Ungeachtet dessen verkauft die zur New Wave Group gehörende Orrefors Kosta Boda AB weiterhin Glas mit der Marke ORREFORS, was zu weiteren Irritationen führt. Dieses Glas kann entweder nur aus alten Lagerbeständen her rühren oder es wurde woanders produziert. Denn der einzige Glaskünstler am Ort ist auch im Mai 2017 immer noch „nur“ der Künstler Jens P. Leek und er hat „nur“ eine Graveurwerkstatt und keinen Glasofen. Ergo kann seit Sommer 2013 bis im Mai 2017 in ORREFORS kein Glas produziert werden.

Nun wird es richtig interessant:

Ende 2016 wurde bekannt, dass es Ingemar Andersson in den Neuaufbau einer Glashütte in ORREFORS investiert. Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass dies in Form des Orrefors Park konkrete Formen annimmt, ich berichtete. Damit geht sehr wahrscheinlich am 01.07.2017 in ORREFORS der Glasofen wieder an. Dann gibt es wieder zwei Werkstätten in ORREFORS die mit Fug und Recht behaupten können, Orrefors Glas herzustellen bzw. zu bearbeiten. Allerdings können Sie dies nach Lage der Dinge kurioserweise nicht unter der Marke ORREFORS tun, da die Markenrechte momentan bei der Orrefors Kosta Boda AB bzw. der New Wave Group AB liegen. Weder die Orrefors Kosta Boda AB noch die New Wave Group AB produzieren aber momentan in ORREFORS. Die gesamte Technik des altehrwürdigen Orrefors Glasbruk wurde ab Sommer 2013 beginnend einschließlich Glaswanne abgebaut. Übrig blieb die leere Hülle des alten Orrefors Glasbruk die heute von einem Unternehmen genutzt wird, welches mit Glasproduktion nun wirklich rein gar nichts zu tun hat.

Dies erklärt die unklare Situation bezüglich der Marke Orrefors im Mai 2017 und dies stellt sich in Kurzform so dar:

Der Inhaber der Markenrechte produziert momentan nicht in Orrefors. Diejenigen die aber in Orrefors momentan produzieren bzw. dies in absehbarer Zeit bald tun werden, können dies nicht unter der Marke ORREFORS tun. Bleibt abzuwarten, wie sich diese bizarre Situation weiter entwickeln wird. Auf jeden Fall wünschen wir von dieser Stelle Ingemar Andersson und seinem Team viel Erfolg bezüglich seiner weiteren Ambitionen in ORREFORS.

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